24 dunkle Gedichte für die Schattenzeit, frei nach Edgar Allan Poe bzw. in seinem Stile.
Die Mitternachtsmelodie
In tiefster Nacht, wenn jede Stunde
sich schweigend in die Schatten legt,
da hebt aus einer fernen Kunde
ein Ton sich, der im Dunkel regt.
Kein Instrument, kein Mensch im Haus,
der solche Klänge führen könnte –
und dennoch breitet sich es aus,
als würd die Nacht selbst, stumm und graus’,
die fremde Melodie verkünden.
Sie steigt und fällt wie Atemzug,
wie Herzschlag eines längst Verfluchten.
Ich lauschte ihr – und plötzlich wog
die Luft so schwer, ich musste fluchten.
Doch noch heut’, in meinen wachen Stunden,
hör ich sie schwach – als wär ich dort gebunden.

















