Edgar-Allan-Poe-Adventskalender: Türchen 8

24 dunkle Gedichte für die Schattenzeit, frei nach Edgar Allan Poe bzw. in seinem Stile.

Das Grab im Garten

Im winterlichen Garten ruht
ein Stein, von Moos und Nächten alt.
Er zeigt kein Datum, keine Glut,
nur einen Riss, der wirkt wie kalt.

Es heißt, der Stein sei niemals leer –
er trage mehr als Erde, Zeit.
Man spürt es, wenn man sich ihm näh’r:
ein Druck im Herz, ein Hauch von Leid.

So stand ich dort im ersten Schnee
und fühlte, wie ein Wispern stieg.
Es war kein Wind, kein Waldesweh –
es war ein Klang, der mich verbieg.

Ein Grab im Winter ohne Namen
ist wie ein Herz, das nie bekam ein Amen.

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