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Horrorsammlung Rezension “Der Gesang der Toten” von Stephen King (1985), aus: “Blut”

Die Kurzgeschichtensammlung “Der Gesang der Toten” von Stephen King ist der zweite von drei Teilen aus “Blut” bzw. im Englischen “Skeleton Crew”. Auch dieser Teil strotzt nicht gerade vor einfallsreichen Geschichten.

Stephen King “Der Gesang der Toten” (1985), aus: "Blut", CropTop

Stephen King “Der Gesang der Toten” (1985), aus: „Blut“, CropTop

Einleitung

Stephen King “Der Gesang der Toten” (1985), aus: "Blut", Buchdeckel

Stephen King “Der Gesang der Toten” (1985), aus: „Blut“, Buchdeckel

Dies ist der zweite Teil, den die deutschen Verleger aus der miesigen Kurzgeschichten-Sammlung “Blut” oder im englischen “Skeleton Crew” aus dem Jahr 1985 herausgeschnitten haben, folgend auf “Im Morgengrauen” und vor “Der Fornit“. Ist er besser als der erste? Mitnichten. Es ist die gleiche Quälliteratur wie die anderen beiden. Bücher, die nie veröffentlicht gehören – unter diesem Titel würde ich es am ehesten sehen.

Aber was meckere ich, ich muss es ja nicht lesen. Hätte ja ein interessantes Buch über das menschliche Gehirn in der Zwischenzeit lesen können und es nicht getan. Also darf ich mich nicht aufregen.

Wie auch immer, ähnlich wie “Im Morgengrauen” habe ich mich stellenweise schwer getan, eine interessante Geschichte in der Sammlung zu finden. Zwar gibt es dieses mal mehr als 5 Geschichten, aber diese sind wiederum genauso fad wie im ersten Band. Zwar sind manche etwas besser, andere wirklich ganz schlecht, aber keine davon würde mir länger in Erinnerung bleiben.

Worum geht es?

Die Geschichten im Überblick:

  1. Mrs. Todds Abkürzung:
    Eine Geschichte, die wieder einmal in Castle Rock spielt und einige bereits bekannte Gesichter des Ortes (ebenfalls wieder einmal) in Erscheinung treten lässt. Mrs. Ophelia Todd ist die gelangweilte Ehefrau eines reichen Bewohners, die am liebsten möglichst kurze Autostrecken erkundet und dementsprechend immer wieder auf der Suche nach einer Abkürzung zwischen Castle Rock und Bangor ist. Ihre Begeisterung für kurze Strecken teilt sie eines Tages ihrem Hausmeister Homer Buckland mit, der sich aber erst wesentlich später dafür zu interessieren beginnt und dabei eine seltsame Waldstrecke kennenlernt, die lebendig zu werden scheint und sogar die Luftlinie unterschreitet. Als besonderen Nebeneffekt altern dort Menschen nicht. In jedem Fall endet die Geschichte damit, daß beide dorthin entschwinden und sie auch niemand vermisst. An manchen Stellen erinnert die Geschichte an andere Romane von King, die in Castle Rock spielen, am nächsten ist sie allerdings noch “Verdammt gute Band haben die hier” aus der Kurzgeschichtensammlung “Alpträume” (1993) – in beiden Geschichten fährt ein Paar mit ihrem Auto in die Wälder von Maine und es öffnet sich ihnen eine magische Subwelt.
  2. Der Hochzeitsempfang:
    In dieser Geschichte steht eine Jazzband unter der Leitung des Erzählers Mike Scollay im Mittelpunkt, die eines Tages bei der Hochzeit der Schwester eines irischen Kleinmafiosi spielen soll. Dies tut die Band auch, allerdings endet die Feier in einem Blutbad, da der gegnerische Clan ihnen auflauert. Das Besondere ist allerdings der Umstand, dass es sich bei der Braut um eine monströs dicke Frau handelt, die einen schmalbrüstigen Italiener zum Ehemann nimmt. Nach dem Tod ihres Bruders übernimmt sie sein Geschäft und baut es sehr erfolgreich aus. Scollay und seine Band schaffen den Absprung am Tag der Hochzeit und sehen die Entwicklung der Folgejahr nur mehr im Rückblick. Eine etwas bessere Geschichte, die zwar kurz ist, aber nicht gaaanz dem King-Schema folgt.
  3. Travel:
    Wieder einmal sind wir im Flugzeug bzw. bei einem flugzeugähnlichen Thema, dieses Mal geht die Reise aber zum Mars und zwar mittels einer Beam- bzw. Teletransport-Variante des Fluges Travel 701 von New York (USA) nach Whitehead City (Mars). Während der Abreise erzählt ein Familienvater Mark Oates seinen beiden Kindern, wie die etwas neuartige Reisevariante im Jahr 1987 entstand (wir schreiben das Jahr 2307) und welche Probleme bei der Erfindung auftraten (z.B. halb transportierte Mäuse). In jedem Fall müssen Reisende bei dieser Transportart schlafen, da niemand weiß, was wirklich während des Transports passiert. Der Sohn ist daraufhin so fasziniert von der Idee, dass er beschließt, das Schlafmittel nicht einzuatmen und als alter Mann erwacht, der nur noch einige Sekunden nach der Ankunft am Mars zu überleben scheint. Sein einziger Vermerk zum Verweilort während der Reise: dies sei die Ewigkeit und länger, denn physisch würde die Reise zwar nicht lange dauern, aber psychisch dauere der Vorgang unendlich lange, da sich das menschliche Bewußtsein nicht in Partikel zerlegen lasse. Aha. Bislang hat mir eigentlich keine SF-Geschichte von King gefallen und diese tat es auch nicht, allein da viele unlogische Ideen in der Geschichte auftauchen – etwa müssen die Reisenden irgendeinen Prüfvermerk auf der Matraze checken – ein Umstand, der m.A.n. nicht wirklich glaubwürdig ist, schließlich fordern heutige Stewardessen auch nicht dazu auf, das TÜV-Siegel am Sicherheitsgurt auf Aktualität zu prüfen. Außerdem ist Benzin plötzlich schnäppchenartig günstig, auch eher ein US-Traum der Autoindustrie. Aber egal.
  4. Kains Aufbegehren:
    Dieses Mal geht es um einen A-Schüler namens Garrish à la “Der Musterschüler” aus “Jahreszeiten” (1982), der plötzlich Amok läuft und auf Menschen am Schulgelände zu schießen beginnt. Viel mehr hat die (sehr) kurze Geschichte auch nicht zu bieten.
  5. Das Floß:
    2 Pärchen beschließen eines Abends in Kindheitserinnerungen zu schwelgen und am Cascade Lake auf einem Floß schwimmen zu gehen. Allerdings wartet ein schwarzes Monster in der Tiefe des Sees, das durch bunte Farben bei Bedarf seine Oberfläche verändern und hypnotisieren kann. Schritt nach Schritt überwältigt es so alle 4 und zieht sie in die Tiefe. Der letzte Überlebende gibt schließlich auch völlig übermüdet auf und wird vom Wesen getötet. Ende der Geschichte.
  6. Der Gesang der Toten:
    Diese Geschichte gab dem Teil-Band offenbar seinen Namen und nimmt in vielen Fällen Motive aus “Dolores” vorweg (1992). Im Mittelpunkt steht die ältliche Stella Flanders, die ihr Leben lang auf der Insel Goat Island vor Maine verbracht hat und dort alt wurde. Die (nicht immer ganz verständliche) Frage “Liebst du” quält sie zunehmend öfters, wie auch ihre Erinnerungen an die Vergangenheit. Während die Mitte 90 Jährige ihr Leben Revue passieren lässt, begegnet sie immer öfters dem Geist ihres verstorbenen Mannes Bill, der sie dazu auffordert die Meeresstraße zu überwinden und ans Landesufer zu gehen. Eines winterlichen Abends tut sie dies auch und verstirbt im Schneesturm, wird aber seltsamerweise mit der Mütze ihres verstorbenen Mannes gefunden. “Singen die Toten? Lieben Sie?” – diese Fragen quälen nach dem Tod von Stella ihren Sohn Alden, der allein zurück bleibt. Insgesamt nimmt die Kurzgeschichte wie gesagt Motive von Dolores vorweg, erreicht aber allein aufgrund der Länge nicht ihre Intensität.
  7. Der Sensenmann:
    Eine hübsche, farblose Geistergeschichte, bei der es um einen überdimensionalen Spiegel geht, der seine Reflexionen verzerrt und der den Beschauern mitunter den Tod bringt, wenn sie ihn denn im Spiegel sehen. Als ein Antiquitätenhändler den wertvollen Delver-Spiegel begutachten und kaufen will, sieht auch er einen seltsamen schwarzen Fleck in der Ecke des Spiegel und verschwindet kurz darauf.
  8. Nona:
    Und wieder einmal zurück nach Castle Rock und zur hübschen Ellipse “Liebst du?”, die schon in “Gesang der Toten” erwähnt wurde. Ein Erzähler namens Hollis hört den Satzteil im Schlaf und wacht daraufhin stets schreiend auf. Ihn verfolgen seine Erinnerungen an die hübsche, schwarzhaarige Nona, die er als Anhalter kennen lernte und unter deren Einfluss er daraufhin eine blutende Mordspur hinter sich herzuziehen begann. Aus Sicht des Erzählers, der sich mittlerweile im Gefängnis befindet, war Nona nicht nur ein Mensch, sondern ein seltsames Wesen, das sich rattenartig verwandeln konnte und zu der ihn eine Zwischenform von Liebe und Angst verband. Parallel dazu streut der Erzähler aber auch Erinnerungen an seine Jugend ein, als er sich in schwarzhaarige Frauen verliebte (eine davon i.Ü. die Freundin des “bösen” Ace Merrill), Ratten im Keller seiner Pflegeeltern fand usf., sodass wirklich jedem die Unklarheit zwischen Schizophrenie und Grusel deutlich wird. In jedem Fall beschließt sich der Erzähler umzubringen und beantwortet die Frage schließlich am Ende der Geschichte: “Liebst du? Ja, ich liebe. Und wahre Liebe wird niemals enden.”
  9. Onkel Ottos Lastwagen:
    Und dann sind wir auch schon am Ende dieses Teilbandes. Auch diese Geschichte spielt in Castle Rock und wieder einmal wird rückblickend ein kleines Gruselszenario gezeichnet. Onkel Otto, von dem die Geschichte handelt, wurde zusammen mit seinem Partner McCutcheon in Castle Rock reich und baute am Ortseingang ein kleines Haus, das er der Stadt als Schulgebäude überlassen wollte. Diese lehnte aber dankend ab und so zieht er selbst in das Mini-Haus, während gegenüber ein alter Lastwagen seines Partners in der Wiese vor sich hinrottet. Onkel Otto wird nur von seinem Neffen Quentin besucht, der auch die Geschichte vom Verfolgungswahn Ottos erzählt, welcher sich einbildet, dass sich der Lastwagen jeden Tag ein Stückchen mehr dem Haus nähert. In jedem Fall wird Onkel Otto eines Tages tot in seinem Bett aufgefunden, innerlich und äußerlich voller Öl und mit einem Autokolben vom Lastwagen im Mund. Quentin vermutet, daß Otto seinen Partner seinerzeit getötet hat, indem er eine Halterung des Lastwagens entfernte und damit auf den Partner fallen ließ (und – oh Überraschung, der Lastwagen bzw. Partner sich eben nun gerächt hat). *Gähn*.

Mein Fazit

Natürlich gibt es allein durch die Castle Rock Referenzen einige Verbindungen zu anderen Romane, insgesamt  aber ein durch und durch schlechtes Machwerk, das es sich nicht zu lesen lohnt.

Verbindungen

Verbindung: Castle Rock Zyklus
Verbindung: “Im Morgengrauen” (Erster Teil)
Verbindung: “Der Fornit” (Dritter Teil)
Verbindung: “Dolores” (Der Gesang der Toten)
Verbindung: “Alpträume” (Paar + Auto + Maine-Wälder = Mrs. Toods Abkürzung)
Bibliographie

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