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Horrorsammlung Rezension “Der Fornit” von Stephen King (1985), aus: “Blut”

Die Kurzgeschichtensammlung “Der Fornit” von Stephen King ist der dritte und letzte von drei Teilen aus “Blut” bzw. im Englischen “Skeleton Crew”. Auch dieser Teil hat mich nicht umgeworfen, aber es ist ein typisches, d.h. erwartungsgemäßes, King-Werk ohne besondere Höhen oder Tiefen. Eine Geschichte ist allerdings (meiner Ansicht nach) lesenswert.

Stephen King “Der Fornit” (1985), aus: "Blut", CropTop

Stephen King “Der Fornit” (1985), aus: „Blut“, CropTop

Einleitung

Stephen King “Der Fornit” (1985), aus: "Blut", Buchdeckel

Stephen King “Der Fornit” (1985), aus: „Blut“, Buchdeckel

Endlich! Nun bin ich schließlich beim dritten Teil-Band der Kurzgeschichtensammlung “Blut” angelangt, die im Englischen in einem einzelnen Band namens “Skeleton Crew” im Jahr 1985 erschien. Erst bei diesem Band ist mir eingefallen, dass ich die Geschichten eh schon einmal gelesen habe, allerdings ist mir von all den Geschichten nur eine in Erinnerung geblieben und diese findet sich in ebendiesem dritten Teil der Sammlung.

Während der erste Band “Im Morgengrauen” eigentlich durchgängig schlecht war, der zweite “Der Gesang der Toten” auch nicht besser, kann ich insgesamt nicht sagen, dass der letzte Teil sich davon abheben würde, aber immerhin habe ich diese eine Geschichte wieder erkannt (allerdings war es nicht die Titelgeschichte). Ich habe versucht, mich zu erinnern, wann ich die Geschichte schon gelesen habe, aber es muss viele Jahre her sein.

Worum geht es?

Erneut die Geschichten im Überblick:

  1. Der Affe:
    Keine Ahnung an wieviele andere Geistergeschichten mich diese Kurzgeschichte erinnert, am meisten noch an die “Klapperzähne” aus “Alpträume” (1993). In jedem Fall finden die Söhne von Hal Shelburn, Dennis & Peter, einen Spielzeugaffen am Dachboden, welcher beim Aufziehen mit Zimbeln Geräusche von sich geben kann. Nur leider wird dabei jeweils jemand oder etwas im Umfeld getötet. Hal hatte die Puppe einst in ähnlichem Alter mit 9 Jahren in einer Rumpelkammer gefunden und nachdem sie die halbe Familie als Todesopfer gefordert hatte, eigentlich in einem Brunnen versenkt – aber auf magische Art und Weise ist der Affe wieder da. In jedem Fall versenken Hal und Peter den Affen erneut, dieses Mal im Crystal Lake, welcher prompt mit einem Inferno von Wellen reagiert, und unnötig zu sagen, dass sie hoffen, dass er nie wieder auftaucht. In jedem Fall sterben daraufhin geheimnisvoll zahlreiche Fische im See.
  2. Paranoid: Ein Gesang:
    Diese Geschichte ist einfach nur ein relativ sinnloser Text, welcher mehr oder minder zufällig aneinander gereiht wurde. Vor der Tür lauert ein Mann im Regenmantel, der den Autor davon abhält nach draußen zu gehen. Deshalb beschäftigt sich der Autor mit allerlei Tricks, um Geheimdienst und andere Bedrohungen in seinem Verfolgungswahn zu übertölpeln. Wenigstens ist die Geschichte kurz.
  3. Der Textcomputer der Götter:
    Ein superintelligenter Jugendlicher namens Jonathan baut seinem Onkel Richard Hagstrom einen Wang-Textcomputer zusammen, damit dieser endlich seinen schriftstellerischen Neigungen nachgehen kann. Kurz darauf kommt Jon zusammen mit seinen Eltern ums Leben. Als Richard den Rechner benützt, bemerkt er, daß der Computer ganz reale Wünsche erfüllen kann, indem er sie einfach als Text eingibt. Dementsprechend wünscht er sich statt seinem eigenen, recht dumpfen Sohn Jon als Sohn, seine dicke Frau tauscht er auch mit seiner Schwägerin und im Anschluss ist der Wünsch-dir-was Rechner dann auch kaputt.
  4. Für Owen:
    Ein ebenso sinnentfremdeter Text wie “Paranoid”, nur dieses Mal geht es um ein Gespräch zwischen einem Kind und einem Erwachsenen auf dem Schulweg, bei welchem alle Mitschüler Obst sind. Wiederum wenigstens kurz.
  5. Überlebenstyp:
    Dies war die Geschichte, von der ich eingangs erzählt habe und die mir in Erinnerung blieb von all den Kurzgeschichten der Sammlung. Vielleicht einfach deshalb, weil sie für mich sehr überraschend war und ich den Inhalt lange nicht vergessen konnte, weil er einfach ausnehmend morbide ist. Richard Pine ist ein ehemaliger Arzt, der inzwischen Drogen schmuggelt und sich nach einem Flugzeugunfall auf einer kleinen Felseninsel als einziger Überlebender mitten im Meer wiederfindet. Es ist der 26. Januar als die Geschichte beginnt und der letzte Tagebucheintrag findet sich Ende Februar. Dazwischen beschreibt King die nervliche Überbelastung von Pine, der sich bei einer Möwenjagd den Knöchel bricht und selbst amputieren muss. Im Anschluss beginnt er sich selbst immer weiter zu amputieren und zu verzehren, da ihm auch zugleich jegliche Nachrungsreserven fehlen. Eine völlig absurde Geschichte. Irgendwie hat sie mich in ihrer Absurdität etwas an die Roald Dahl’sche Geschichte “Der Mauervorsprung” aus “Nachtschicht” (1978) erinnert.
  6. Der Milchmann schlägt wieder zu:
    Wieder einmal in alter, schlechter Qualität eine Geschichte über einen Milchmann, der, wenn es nach King geht, grundsätzlich irgendwie nichts Gutes im Schilde führt. Rocky & Leo fahren betrunken in einem uralt Chrysler durch die Gegend und treffen auf einen alten Schulkollegen Bob. Aus welchen Gründen auch immer bringt dieser nach dem Treffen in akutem Frust seine Frau um. Rocky sieht sich in beduselter Form vom Milchmann verfolgt, der ein Verhältnis mit seiner Frau haben soll und kracht gegen den nächsten Baum, bevor er sehen konnte, dass das nachfolgende Auto von jemand anderem stammt. Der Milchmann seinerseits sieht den Unfall und fährt auf der Suche nach Benzin zu Bob. Liest sich genauso unsinnig, wie es klingt.
  7. Der Fornit:
    Wieder einmal eine SF-Geschichte von King, in der es darum geht, dass ein Schriftsteller sich einbildet, dass ein kleiner Elf in seiner Schreibmaschine haust, der ihm auch zu seiner Kreativität verhilft, indem er ihm Fornus (Glückspulver) streut. Der Name des Schriftstellers ist Reg Thorpe und er hat auch schon einige erfolgreiche Bücher veröffentlicht, verfällt aber zunehmend dem Wahnsinn und Verfolgungswahn, daß alle Menschen seinen Forniten, dessen Name i.Ü. Rackne ist, töten wollen. Ein Redakteur gibt, ohne groß darüber nachzudenken, vor, daß er ebenfalls einen Fornit hätte und beide treten daraufhin in einen regen Briefwechsel. Allerdings steht das Glück von beiden unter keinem guten Stern: der trinkende Redakteur verliert seinen Job, da seine Abteilung geschlossen wird und erleidet einen Nervenzusammenbruch; umgekehrt tötet ein kleiner Junge mit einer Spielzeugpistole Rackne, während Thorpe einen Spaziergang absolviert, woraufhin sich dieser eine Kugel durch den Kopf jagd – und absurderweise ist die ganze Schreibmaschine voll Blut, allerdings nur der Blutgruppe 0 von Thorpe.
  8. Der Dünenplanet:
    Ebenfalls eine SF-Geschichte, die recht witzig ist und rund 8000 Jahre in der Zukunft spielt. Ein Versorgungsschiff ASN/29 zerschellt auf einem Planeten voller Sand – an Bord ist ein Android namens Rand und ein Mensch namens Shapiro. Der Sand scheint jedoch magisch und voller Leben zu sein, in jedem Fall beginnt er auf Rand eine regelrechte Hypnose auszuüben, sodass dieser das Raumschiff nicht mehr betreten will, sondern nur mehr im Sand sitzt. Mehr oder minder zufällig kommt ein Handelsschiff vorbei und kurz bevor der Sand auch von ihnen Besitz ergreift, können sie noch starten. Rand bleibt im Sand zurück und stopft sich eine Handvoll Sand nach der anderen in den Mund.

Mein Fazit

Wie auch die anderen beiden Bände ist die Sammlung nicht wirklich lesenswert. Mit Ausnahme vielleicht vom Überlebenstyp und diese Geschichte ist wirklich sehr morbide – ein wenig wie ein Autounfall, bei dem man zufällig vorbeikommt und den man zu detailliert sieht: die Bilder bleiben im Kopf, aber ob es eine Bereicherung ist, glaube ich nicht.

Verbindungen

Verbindung: “Im Morgengrauen” (erster Band)
Verbindung: “Der Gesang der Toten” (zweiter Band)
Verbindung: “Nachtschicht” (Überlebenstyp/Mauervorsprung)
Verbindung: “Alpträume” (Klapperzähne/Affe)
Bibliographie

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7 Kommentare
  1. tarlucy sagte:

    Da geb ich Dir recht Überlebenstyp – war die Geschichte die hängen blieb….zwar kurz vergessen, aber bei Dir wiedererkannt…

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  2. pfulfa sagte:

    Ich glaube es war sogar diese Geschichte, die mich – nach vielen Jahren – wieder dazu gebracht hat, Stephen King zu lesen 🙂 UND: eine andere Geschichte von einem Mädchen mit einem Bären. Aber diese kommt erst irgendwann zum Schluss …

    Gefällt mir

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