Edgar-Allan-Poe-Adventskalender: Türchen 11

24 dunkle Gedichte für die Schattenzeit, frei nach Edgar Allan Poe bzw. in seinem Stile.

Das Flüstern der Mauern

Die Mauern des Hauses sind dünner geworden –
nicht im Stein, sondern im Schweigen.
Denn manches, das Menschen hier einst verloren,
verbleibt in den Wänden, den Zweigen.

Ein Raunen rinnt durch jeden Stein,
als spreche jemand im Gemäuer.
Es klingt nach Furcht, nach Schuld, nach Sein,
nach alter Zeit und kaltem Feuer.

Ich legte einmal mein Ohr ans Grau
und hörte mehr, als Menschen sollten.
Es war kein Wind, kein Katzenrau –
es waren Worte, die sie wollten:

„Wir haben alles still ertragen,
doch niemand hört auf unsre Klagen.“

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