Edgar-Allan-Poe-Adventskalender: Türchen 5

24 dunkle Gedichte für die Schattenzeit, frei nach Edgar Allan Poe bzw. in seinem Stile.

Der kalte Atem

Ein Atemzug, so dünn wie Frost,
berührte sacht mein nacktes Ohr.
Ich dachte erst: ein Winterhost –
doch trat ein Schweigen hinter mich hervor.

Ich wandte mich, der Raum blieb leer.
Nur Dunkel flackerte im Kerzenlicht.
Doch dennoch spürte ich so sehr,
dass hier ein Atem sprach – nicht ich.

Er flüsterte kein Wort, und doch
verstand ich alles, was er meinte:
ein Mahnen aus des Winters Loch,
ein Gruß der Nacht an jene Feinde,
die glauben, dass die Dunkelheit nur still
und nicht auch voller Seelen sein kann, wenn sie will.

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