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Thriller / Horrorbuch Rezension “Das Bild” von Stephen King (1995)

Der Roman “Das Bild” oder im Englischen “Rose Madder” ist ein bißchen ein Mix aus vorhergehenden Büchern von Stephen King, der eigentlich durchgängig immer “erwartungsgemäß” verläuft. Ein wenig hatte ich den Eindruck, daß King nun endgültig nichts mehr einfällt. Inhaltlich handelt es sich um eine hübsche Geistergeschichte rund um eine misshandelte Frau und ein scheinbar zum Leben erwachtes Ölbild.

Stephen King “Das Bild” (1995), CropTop

Stephen King “Das Bild” (1995), CropTop

Worum geht es?

Stephen King “Das Bild” (1995), Buchdeckel

Stephen King “Das Bild” (1995), Buchdeckel

Im Mittelpunkt der Geschichte steht wieder einmal eine Frau, wie schon so oft in den Romanen King’s der 1990er Jahre und diese wird – ebenso wiederholt – von ihrem bestehenden männlichen Umfeld mißhandelt und beginnt sich gegen ihren Widersacher zu stellen. Die Bedrohte ist etwa eine Mischung aus “Dolores” (1992) und “Das Spiel” (1992), scheint eigentlich keinerlei Nachteile zu haben, außer eben ihrem bösen, bösen Umfeld. Einige Züge erinnern auch deutlich an “Carrie” (1974), gespickt mit einigen Wortspielen aus dem “Dunklen Turm” Zyklus. Nur leider erreicht die Figur der Rose zu keinem Zeitpunkt die Intensität einer Dolores oder Carrie.

King beginnt die Geschichte mit der Misshandlung der schwangeren Rose Daniels durch ihren Ehemann Norman, einen mehr oder minder erfolgreichen Polizisten, der immer mehr wahnsinnige Züge annimmt und mit seiner Ehefrau am liebsten “aus der Nähe” mit seinen Fäusten spricht oder sie beißt. Anlass für seine Rage ist kein großartiger Anlass, sondern lediglich der Umstand, daß er durch einen misslungenen Fall schlechte Laune hat und Rose ein Buch liest, das ihm missfällt (übrigens “Miserys Reise”, das dem geübten King-Leser bereits von “Sie” bekannt ist).

Rose verliert das Kind durch die Schläge, bleibt aber dennoch weiterhin bei ihrem Mann (insgesamt 14 Jahre) und lässt sich misshandeln. Sein einziges Kommentar, als sie verblutend in der Ecke der Wohnung liegt: “Keine Angst Rose, mach kein Theater, es ist eine Kleinigkeit, nur ein Baby, du kannst ein neues haben” und macht sich ein Sandwich, bis der Notarzt eintrifft. Bis sie schließlich eines Tages einen kleinen Blutfleck auf dem Laken ihres Bettes sieht, der von einer verletzten Nase einer vorabendlichen Misshandlung von Norman stammt und plötzlich beschließt sie, ad hoc ihren Mann zu verlassen und geht ohne zurück zu blicken, nur mit der Kreditkarte von Norman, von welcher sie ein paar hundert Dollar für die Reise abhebt.

Am Busbahnhof nimmt sie den nächsten Bus nach New York und findet dort durch mehr oder minder glückliche Zufälle zu einer privaten Institution für misshandelte Frauen. Diese Einrichtung namens “Daughters & Sisters”, geleitet von der kühlen Anna Stevenson, verhilft ihr zu einem neuen Job und Rose entdeckt, daß ihr neues Leben durchwegs angenehm ist. Übrigens hat auch Stevenson ihre Tätigkeit begonnen, nachdem sie einen Misery-Roman gelesen hat, allerdings “Miserys Liebhaber”.

Nach ein paar Wochen zieht sie auch in ihr erstes Appartement und kauft in einem Trödlerladen im Tausch für ihren Verlobungsring ein Bild, welches mit “Rose Madder” betitelt ist. Rose Madder steht für die Bezeichnung für eine Rottönung (Purpurrot) und Rose ist sowohl vom Motiv als auch der Namensgleichheit überrascht und fasziniert. Das Bild zeigt eine Frau von hinten in einem (rotfarbenen) Chiton, die auf einen zerfallenen Tempel mit einem Pferd schaut. Bei dieser Gelegenheit lernt sie auch den Verkäufer Bill des Trödlerladens kennen (und sie verlieben sich) und einen ältlichen Herren, der ihr zu einer erfolgreichen Karriere als Leserin von Audiobüchern verhilft.

Alles scheint perfekt, bis Norman beschließt, seine Rose aufzusuchen, um sich für die Verletzung seiner Frau zu rächen und sie zu töten. Es gelingt Norman tatsächlich Rose in der Großstadt aufzuspüren und er beginnt eine blutige Spur hinter sich herzuziehen, indem er Menschen reihenweise tötet und sie auch krankhaft beißt. Parallel dazu scheint das Ölbild, das Rose gekauft hat, zum Leben zu erwachen. Zunächst verändern sich die Bildausschnitte zunehmend, während Teile, die im Bild gezeichnet sind, wie etwa Grillen und Klee, aus dem Bild zu fallen scheinen. Eines Nachts vergrößert sich das Bild zu Leinwandgröße und Rose betritt das Bild, nur mit einem Nachthemd bekleidet.

Sie trifft auf eine Frau, in welcher sie eine von Norman getötete Prostituierte zu erkennen glaubt und jene Rose Madder, die im Vordergrund des Bildes auf dem Hügel stand, die sie aber nicht ansehen darf. Im Auftrag der “bildlichen” Rose betritt sie den Tempel, überquert einen schwarzen Fluss des Vergessens und sammelt giftige Körner, um damit ein unterirdisches Labyrinth hinter dem Tempel zu betreten und à la Hänsel und Gretel mittels der Körner den Weg zurück zu finden. Ihre Aufgabe: das schreiende Baby zu finden und zur “bildlichen” Rose zu bringen wobei sie im Baby jenes Kind erkennt, das sie vor Jahren durch die Schläge von Norman verlor. Einzige Hürde ist ein wütender Stier namens Erinyes, der das Baby beschützt und der sie durch das Labyrinth à la Minothaurus verfolgt. Erwartungsgemäß schafft Rose die Aufgabe, bringt das Baby zurück und die “bildliche” Rose verspricht ihr Vergeltung für ihr Tun.

Am nächsten Tag kann sich Rose kaum noch an ihr nächtliches Tun erinnern, allerdings beginnt sich das Bild weiter zu verändern. Als Norman sie schließlich aufspürt, flieht sie mit Bill erneut “in” das Bild, das sich wieder vergrößert hat, allerdings folgt ihr Norman mit einer Stiermaske verkleidet. Rose, welche inwischen der “bildlichen” Rose verblüffend gleicht, lockt ihn zu dem Baum mit seinen giftigen Körnern, wo bereits die “bildliche” Rose wartet und ihn tötet (übrigens wird sie dabei zu einem spinnenartigen Supermonster).

Rose erhält ein paar Tropfen aus dem Fluss des Vergessens für Bill und den Polizeiring von Norman als Souvenir und kehrt mit Bill in ihr reales Leben zurück. Dort verbrennt sie das Bild (auf welchem nun keine Frau mehr zu sehen ist) und wird glücklich mit Bill, den sie wenig später heiratet und mit welchem sie auch ein Kind bekommt. Im Epilog wird noch etwas an der perfekten Welt der Rose gekratzt, indem die Ehe mit Bill auch nicht perfekt läuft und sie Wutanfälle bekommt. Daraufhin nimmt sie das letzte Korn des giftigen Baumes aus dem Bild und pflanzt ihn ein – immer wenn sie wütend wird, erinnert sie sich daraufhin an den Baum und lebt forthin glücklich (oder so).

Mein Fazit

Ähnlich wie in “Das Spiel” spricht Rose immer wieder mit ihrer inneren Stimme, einer Ms. Praktisch-Vernünftig, während Norman ebenfalls wiederholt Zwiesprache mit seinem Alter Ego hält, seinem Vater, der ihn körperlich und sexuell misshandelt hat. Und – gähn – auch das King so lieb gewordene Ka findet immer wieder Erwähung, das aus dem “Dunklen Turm” bereits so bekannt ist, wie auch die Stadt Lud, von der die “bildliche” Rose erzählt. Der Bösewicht (Norman) benutzt außerdem das ebenfalls schon bekannte Kölnisch Wasser als Parfum (offenbar hat King ein Trauma von der Duftnote) und die aus “Schlaflos” bekannte Susan Day hängt als Bild im Zimmer von Anna Stevenson (immerhin sind beide nach diesem Roman tot). Um das Ganze zu vervollständigen, trifft Rose auf der Lichtung, wo sie den Baum pflanzt auf eine Füchsin, die à la “Cujo” die Tollwut bekommen kann (es aber nicht tut).

Eine Menge Verbindungen zu anderen Romanen, eine Menge Flachheit im Roman selbst. Denn die Figur der Rose hat eigentlich zu keinem Zeitpunkt die Tiefe der Figur “Dolores” und an vielen Stellen wirkt der Roman einfach nur gebaut. Denn wie wahrscheinlich ist es allein, daß Norman Rose in einer Großstadt wie New York sofort findet? Warum muss Norman so absolut böse sein und Rose so absolut gut? Wie flach kann ein Roman denn eigentlich noch werden, indem die Super-Love-Story aufgeht?

Aber selbst die Geschichte und Charaktere nicht so schlecht wären, wie sie m.A.n. sind, hat das Buch auch sonst wenig zu bieten. Die ewig sexuellen Bezüge sind einfach nur noch unnötig, die Grusel- oder Horrorelemente sind derart einfallslos, daß man fast dabei einschläft. Eines mit Abstand schlechtesten Bücher von King, die ich gelesen habe (wobei ohnehin offenbar nur wenig gut sind).

Verbindungen

Verbindung: “Dolores” (Misshandlung Frau)
Verbindung: “Das Spiel” (Bedrohung Frau)
Verbindung: “Sie” (Misery)
Verbindung: “Carrie” (Unterdrückte Frau wehrt sich)
Verbindung: “Dunkle Turm” (Ka)
Verbindung: “Schlaflos” (Susan Day)
Verbindung: “Cujo” (Tollwut)
Verbindung: “Desperation” (Cynthia Smith, böser Cop)
Verbindung: “Nachts” (Wahrnehmung / Realität)
Verbindung: “Im Kabinett des Todes” (Bild)
Bibliographie

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