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Horrorbuch Rezension “Der Fluch” von Richard Bachmann (1984)

Das dritte und letzte Buch aus den 1980er Jahren, das Stephen King unter Pseudonym Bachmann veröffentlicht hat und welches ich nun noch gelesen habe, ist “Der Fluch”, welches mit 2 Jahren Pause nach “Menschenjagd” erschien. Insgesamt ist es das fünfte Buch, das King unter diesem Namen auf den amerikanischen Buchmarkt brachte.

Richard Bachmann "Der Fluch" (1984), CropTop

Richard Bachmann „Der Fluch“ (1984), CropTop

Stephen King = Richard Bachmann

Anders als die bisherigen Bachmann Bücher kehrte King in diesem Roman wieder stärker zur “typischen” King-Sprache zurück. Diese veränderte Erzählweise soll den Buchhändler Stephen Brown schließlich auch dazu veranlasst haben, sich Bachmann Bücher näher in Bezug auf King-Parallelen anzusehen und er war es schließlich auch, der das Pseudonym lt. Wikipedia entlarvte.

In jedem Fall erinnert der Roman wirklich an vielen Stellen an typische King-Erzählkonstrukte: glückliche, amerikanische Familie mit Mann-Frau-Kind wird plötzlich in eine Gruselgeschichte verwickelt und kämpft sich mit typischen Ich-Konflikten der Hauptfigur ans Ende der Geschichte. Auch hier steht der Familienvater im Zentrum, dieses Mal ist er Anwalt und heißt Halleck; und wie auch sonst üblich steht im Hintergrund eine Frau, die nicht sonderlich hilfreich ist und Kinder, die zwar auch nichts nützen, aber auch nicht schaden und (wie üblich!) sogar eher bedroht werden. Oh Überraschung gibt es aber immerhin wieder einen väterlichen Freund, der zur Seite steht.

Und im Unterschied zu den anderen von mir bislang gelesenen Büchern des Bachmann-Pseudonyms ist es dieses Mal wirklich eine Grusel- bzw. Horrorgeschichte und kein Thriller. Gerade das ist eigentlich schade, da in “Menschenjagd” eigentlich schon erkennbar war, daß King auch ohne Horror lesenswert sein kann (vermutlich sogar ohne SF). Last but not least verweist der Autor im Roman selbst lakonisch auf King, womit wohl auch dem unaufmerksamsten Leser die Parallelen ins Auge springen. Die Worte stammen von Hallecks Kokain schnupfendem Arzt, der die sonderbaren Veränderungen die längste Zeit als Lappalie bzw. normale Stoffwechselstörung abtut:

“Sie haben sich da ein wenige in etwas verrannt, was mir sehr nach einem Steven-King-Roman klingt, aber es ist ganz gar und gar nicht so.”

Witzig übrigens auch, daß sich King in diesem Fall sogar eine eigene Pseudo-Ehefrau zugelegt hat, der er das Buch widmet: Claudia Inez Bachmann. Eventuell fiel es ihm dadurch leichter die Ehefrau ausnahmsweise sogar in einem schlechten Licht darzustellen.

Worum geht es?

Richard Bachmann "Der Fluch" (1984), Buchdeckel

Richard Bachmann „Der Fluch“ (1984), Buchdeckel

Das Buch beginn mit dem Kapitel “246″, dem Gewicht des Anwalts William Halleck, kurz Billy, aus Fairview/Westport, das in Kilo rund 112 ausmacht und damit gelinde gesagt etwas zu viel ist. Als er eines Tages mit seiner Ehefrau Heidi im Auto fährt, nähert sie sich ihm sexuell und dadurch abgelenkt verursacht Hallek einen Autounfall, bei welchem eine alte Frau, wie sich später herausstellt eine Zigeunerin, stirbt. Unterstützt vom lokalen Polizisten Duncan Hopley, welcher keine Alkoholkontrolle durchführt und vom befreundeten Richter Cary Rossington, der den Fall ebenfalls freundlich für den Anwalt behandelt, wird Hallek freigesprochen und der Unfall hat keine weiteren Folgen für den übergewichtigen Juristen.

Mit Ausnahme eines Fluches, den der mit 106 Jahren scheinbar uralte und von einer verfaulenden Nase äußerlich geprägte Vater der Frau, Taduz Lemke, Halleck vor dem Gerichtsgebäude zuflüstert und nebst einer leichten Berührung im Gesicht nur aus dem Wort “Dünner” besteht. Dies ist übrigens auch der Titel der Originalausgabe (Thinner), welcher mAn wesentlich besser passt als die etwas augenscheinliche Übersetzung “Der Fluch”.

In jedem Fall beginnt Halleck ab diesem Tag stetig an Gewicht zu verlieren, ohne daß sich dadurch eine sinnvolle Begründung finden läßt. Als er herausfindet, daß auch der Polizist und der Richter an seltsamen, entstellenden Hautkrankheiten leiden und dem ebenfalls ein Besuch des Zigeuners vorausging, beginnt Halleck zunehmend von einem Fluch überzeugt zu sein und bricht seine Therapien ab, um den Zigeuner zu finden. Im Unterschied zu vielen anderen King-/Bachmann-Büchern trägt Halleck diesen Kampf allerdings nicht nur mit sich selbst aus, sondern erzählt seiner Ehefrau von seinen Vermutungen und gibt ihr, als “gesunde” Mitverursacherin des Unfalls, auch einen Teil der Schuld. Anstatt ihn zu unterstützen zweifelt Heidi aber zunehmend an seiner geistigen Verfassung und lässt ihn in seiner Abwesenheit später sogar für unzurechnungsfähig erklären, wodurch seine Ablehnung ihr gegenüber noch verstärkt wird.

Halleck verfolgt die nomadische Zigeunertruppe entlang der halben Westküste von Connecticut nach Maine (sic!) und findet sie schließlich in einer Kleinstadt namens Bar Harbor. Dort appelliert er an den Zigeuner, den Fluch zurückzunehmen, den Lemke, der zugibt über das Zweite Gesicht zu verfügen, aber mit dem Wort “Niemals” ablehnt. Psychisch und physisch am Ende sucht der abgemagerte Halleck Hilfe bei seinem  mafiösen Freund, dem Italiener Richard Ginelli, der ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Zigeunertruppe beginnt und diese durch diverse Bedrohungen, wie das Töten ihrer Hunde oder eine Schußattacke einzuschüchtern versucht.

Erbitterten Widerstand erhält Ginelli von den (Ur-)Enkeln Lemkes, Samuel und Gina Lemke, wobei vor allem letztere gefährliche Silberkugeln als Schußwaffen verwendet, um sich zu wehren. Während zwischenzeitlich der von krokodilsähnlichen Schuppen bedeckte Richter in der Klinik verstorben ist und sich der Polizist völlig entstellt von eitriger Akne das Leben nimmt, sieht der zum Gerippe abgemagerte und um sein Gewicht halbierte Halleck zunehmend seinem eigenen Ende und kann sich nur noch durch Schlaf und Tabletten am Leben erhalten.

Gina tötet währenddessen zwar einen Handlanger von Ginelli mit ihren Silberkugeln, die Zigeuner sind aber ihrerseits nun langsam überzeugt, daß sie von einem Fluch verfolgt werden, nämlich in Person von Ginelli. Bei einem Zusammentreffen zwischen Gina und Ginelli attackiert die Zigeneuerin zwar auch ihn, meint am Rande aber nur lapidar:

“Mein Urgroßvater sagt, es gibt keine Flüche. Es gibt nur Spiegel, die man den Seelen der Männer und Frauen vorhält.”

Letztlich lenkt Lemke ein und stimmt zu, sich mit Halleck auf einer Parkbank zu treffen, wo er den Fluch von ihm nimmt und in eine in Alufolie gewickelte, Erdbeertorte überträgt, die fortan warm vor sich hin pulsiert. Lemke meint, daß auch er in Wirklichkeit nur wenig über Dinge wie diese weiß, vergleicht den Fluch (romanisch “Purpurfargade ansiktet” bzw. deutsch “Kind der Nachtblumen”) aber mit einem kleinen Kind, das man auf die Welt bringt und schnell wächst, aber nicht getötet werden kann. Wie ein Vater müsse er dafür sorgen, daß es gut aufgehoben ist:

“Wenn du das purpurfargade ansiktet los sein willst, mußt du es zuerst in diese Torte stecken… und dann mußt du die Torte mit dem Fluchkind jemand anderem zu essen geben. Aber das muß bald geschehen, sonst kommt es doppelt auf dich zurück.”

Befreit vom Flucht entdeckt Halleck, daß Ginelli inzwischen von Gina getötet wurde und nur noch eine abgerissene Faust mit Silberkugeln von diesem übrig ist. Er fährt nach Hause – mit dem Ziel die Torte seiner Ehefrau zu essen zu geben. Ungeplanterweise ist aber auch seine Tochter Lin zu Hause und während Halleck schläft, essen beide vom Kuchen. Während sich damit das “jüngste Gericht” doppelt verkehrt hat, bemerkt Halleck, daß die Torte immer noch pulsiert und ißt davon.

Mein Fazit

Insgesamt damit ein recht spannender, aber in Summe typischer King-Roman, der einfach zu lesen ist und den King wohl besser unter eigenem Namen veröffentlicht hätte, wenn er nicht gewollt hätte, daß das Pseudonym Bachmann entlarvt würde.

Verbindungen

Verbindung: “Im Morgengrauen“, aus Blut (Kurzgeschichte “Der Mann, der niemandem…”)
Verbindung: “Menschenjagd
Bibliographie

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