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Thriller-Buch Rezension “Sprengstoff” von Richard Bachmann (1981)

Ebenfalls in den 1980er Jahren veröffentlichte Stephen King mehrere Bücher unter dem Pseudonym Richard Bachmann, eines davon war “Sprengstoff”. Im Kern geht es um einen Wäschereiangestellten der Amok läuft. Die Geschichte ist zwar ohne Horrorelemente, aber auf ihre Art und Weise auch interessant, wenngleich die Spannung üblicher King-Bücher nicht erreicht wird.

Richard Bachmann “Sprengstoff” (1981), CropTop

Richard Bachmann “Sprengstoff” (1981), CropTop

Stephen King = Richard Bachmann

King war zu diesem Zeitpunkt bereits sehr populär und nach einschlägigen Quellen wollte er einerseits testen, ob seine Bücher auch unter einem anderen Namen erfolgreich waren und andererseits den Markt auch nicht mit King-Büchern überschwemmen. In jedem Fall habe ich nach rund 10 gelesenen King-Büchern und beginnenden Wiederholungen einmal etwas anderes lesen wollen. Daß King übrigens Bachmann ist, ist auf einen Eintragungsfehler bei den Urheberrechten bei “Amok” zurückzuführen, die die 5 bis dahin erschienenen Bachmann-Bücher als King-Bücher entlarvten. King verwendete das Pseudonym Jahre später in den 1990er Jahren noch einmal für zwei Bücher, die die gleiche Geschichte rund um ein Monster TAK einerseits aus Bachmann- und andererseits aus King-Perspektive beschreiben. In jedem Fall unterscheiden sich Bachmann-Bücher schon teilweise stark vom späteren, typischen King-Stil, wie er von “Carrie” geprägt wurde.

Worum geht es

Richard Bachmann “Sprengstoff” (1981), Buchdeckel

Richard Bachmann “Sprengstoff” (1981), Buchdeckel

In “Sprengstoff” geht es im Kern um den Amoklauf des Wäschereiangestellten Barton G. Dawes, welcher die Errichtung der Stadtautobahn Route 784 bei Westgate/Norton aufhalten will und letztlich sich selbst und sein Haus, das letzte verbliebene der Crestallen Street, am Tag des geplanten Abrisses mit Spengstoff in die Luft jagd. Im Gegensatz zu klassischen King-Büchern gibt es keinen Horror-Anteil mit irgendwelchen Monstern, sondern es ist allein die Hauptfigur, welche sich schrittweise immer mehr von jeglicher Normalität entfernt. Anfangs sabotiert er “nur” den Kauf eines neuen Gebäudes für die Wäscherei, welche ebenfalls vom Abriss betroffen ist, später den Verkauf seines eigenen Hauses um den Preis, dass er seine Frau verliert, welche ihn nicht mehr verstehen kann und zu ihren Eltern zieht und letztendlich sein eigenes Überleben bzw. seine eigene Rückkehr zur Normalität, indem er zuerst einige Baugeräte der Autobahn in Brand setzt und später, schwerbewaffnet, sein eigenes Haus mit einer Unmenge Sprengstoff spickt.

Parallel dazu sind einige zusätzliche Erzählstränge eingeflochten, die mAn aber nicht wirklich die notwendige Tiefe erreichen, damit sie auch sinnvoll in der Geschichte aufgehen. Dazu gehört u.a. das ständige Zwiegespräch mit seinem Alter Ego “Frederick”, kurz Fred, welcher zugleich der zweite Vorname seines an Gehirntumor verstorbenen Sohnes Charlie ist und dessen Tod er nie überwinden konnte. Sich selbst spricht er in diesen Gesprächen mit “George” an, welcher wiederum sein eigener zweiter Vorname ist – das Spiel “Fred-und-George” hatte sich Charlie ausgedacht und wird im Zuge der Geschichte immer mehr zur kommunikativen Ersatzrealität von Dawes. Hinzu kommt das eigentliche Warum für den Amoklauf, das allerdings weitgehend im Dunkeln bleibt und nur an manchen Stellen angerissen wird. Die schwache Darstellung dieses inneren Zustandes führt meiner Meinung auch dazu, dass das Buch eher langweilig und seicht ausgefallen ist. Denn er Umstand, dass Dawes u.a. auch daran zerbricht, dass die zwischenzeitlich von Großkonzernen geleitete Wäscherei nur mehr wenig mit dem Betrieb seiner jungen Wäschereijahre zu tun hat bzw. dem Gewerbe an sich, hätte an vielen Stellen einen interessanten Aspekt dargestellt, welcher allerdings nur rudimentär dargestellt wurde.

Im Prinzip wird der gesamte Roman durch eine kurze Geschicht des Sprengstofflieferanten Sal Magliore am Anfang beschrieben, welcher im Übrigen verdächtig an den Autohändler aus “Christine” erinnert (welches allerdings erst 1983 veröffentlicht wurde) und in welcher er Dawes mit einem gequälten Hund vergleicht, welcher irgendwann zubeißt:

“Sie erinnern mich an eine Geschichte, die mir passiert ist, als ich so alt war wie mein Sohn heute. In der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, gab es einen Hund in der Nachbarschaft, Hell’s Kitchen in New York. Noch vor dem zweiten Weltkrieg während der Depression. Dort wohnte auch ein  Mann namens Piazzi, und der hatt eine schwarze Hündin, eine Promenadenmischung, die er Andrea nannte. Aber jeder hat sie einfach nur Mr. Piazzis Hund genannt. Er hielt sie die ganze Zeit an der Kette, aber sie wurde niemals böse. Nicht bis zu diesem bestimmten Tag, ein heißer Tag im August. Könnte 1937 gewesen sein. Sie sprang einen kleinen Jungen an, der sie streicheln wollte; er mußte für einen ganzen Monat ins Krankenhaus. Sein Hals mußte mit siebenunddreißig Stichen genäht werden. Und ich hatte gewußt, daß das irgendwann einmal passieren würde. Dieser Hund stand den ganzen Tag lang in der Sonne und das jeden Tag, den ganzen Sommer lang. So um Mitte Juni rum hörte er auf, mit dem Schwanz zu wedeln, wenn die Kinder ihn streichelten. Dann fing er an, die Augen zu verdrehen. Ab Ende Juli knurrte er ganz tief hinten in der Kehle, wenn sich jemand sich ihm näherte. Als der damit anfing, hab’ ich aufgehört, ihn zu streicheln. Die Leute haben gleich gefragt: >Was ist los mit dir, Sal? Hast du etwa Schiß?< Und ich hab’ gesagt: >Nee, ich hab’ keinen Schiß, aber ich bin auch nicht blöd. Der Hund da ist böse gewordenStell dich nicht an, Sal. Mr. Piazzis Hund beißt nicht, der hat noch nie jemand gebissen. Er würde nicht mal einem Baby etwas tun, das den Kopf in seinen Rachen steckt.< Und ich hab’ gesagt: >Streichelt ihn ruhig weiter, es gibt kein Gesetz, das das Streicheln von Hunden verbietet, aber ich werde es nicht tun.< Na, und dann sind sie herumgelaufen und haben überall erzählt: >Sally ist ein Angsthase. Sally ist feige. Sally klammert sich an den Rockzipfel seiner Mutter, wenn er an Mr. Piazzis Hund vorbeigehen muß.< Sie wissen ja, wie Kinder sind. … Der Junge, der am lautesten gebrüllt hat, den hat’s dann schließlich erwischt. … An einem Tag im August, es war so heiß, daß man ein Spiegelei auf dem Bürgersteig brachten konnte, ist er zu Mr. Piazzis Hund gegangen und hat ihn gestreichelt. Und seitdem kann er nur noch flüstern. … Sie erinnern mich an Mr. Piazzis Hund. Sie knurren zwar noch nicht, aber wenn jemand sie streicheln will, verdrehen Sie die Augen. Und Sie haben schon vor langer Zeit aufgehört, mit dem Schwanz zu wedeln.”

Als Magliore abschließend Dawes zuruft, daß der Hund schließlich vergast wurde, ist damit auch schon zu Buchbeginn klar, welches Schicksal voraussichtlich der Hauptfigur zuteil wird.

Mein Fazit

Anders als in “Cujo” aus dem gleichen Veröffentlichungsjahr wird das schrittweise Bösartigwerden nicht in einer Ersatzfigur dargestellt, sondern direkt in der Hauptfigur selbst. So gesehen ist das Buch wie ein King-Buch ohne Horror und mit dem etwas schalen Nachgeschmack, daß es King es nicht geschafft hat, den fehlenden Horroranteil in einer anderen Art und Weise interessant in der Geschichte unterzubringen. Allerdings findet sich zumindest King’s offensichtliche Faszination für Feuer wiederholt wieder, welche neben “Feuerkind” vor allem auch in “The Stand” in einer Nebenfigur immer wieder auftauchte. Trotzdem allerdings summa summarum ein entbehrliches Leseerlebnis.

Verbindungen

Verbindung: “Feuerkind
Verbindung: “The Stand
Verbindung: “Cujo
Verbindung: “Christine
Verbindung: “Menschenjagd“
Bibliographie

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