24 dunkle Gedichte für die Schattenzeit, frei nach Edgar Allan Poe bzw. in seinem Stile.
Der Rabe im Schnee
Der Schnee fiel dicht wie stilles Federkleid
und deckte Wege zu, die niemand kannte.
Da krächzte über mir in dunkler Zeit
ein Rabe, schwarz wie Schweigen ohne Kante.
Er stürzte nieder, setzte sich vor mich,
sein Blick ein Dunkel, uralt, tief und schwer.
Es war, als höre ich sein Seelen-Nich’,
sein Schweigen hallte wie ein halbes Meer.
Dann sprach er – oder war’s der Winter selbst? –
ein einzelnes Wort aus kaltem Grabgeruch:
„Erinnre dich.“
Ich fror. Und tat es nicht.
Denn was ich wusste, war von Nacht durchflucht.

















