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Horrorsammlung Rezension “Alpträume” von Stephen King (1993)

Und noch eine Kurzgeschichtensammlung von Stephen King, dieses Mal zurück in die 1990er Jahre, nämlich ins Jahr 1993. Veröffentlicht wurde die Sammlung zwischen Dolores (1992) und Schlaflos (1994). Allerdings ist es die mit Abstand schlechteste Sammlung (obwohl die anderen auch nicht wirklich gut waren).

Stephen King “Alpträume” (1993), CropTop

Stephen King “Alpträume” (1993), CropTop

Einführung

Stephen King “Alpträume” (1993), Buchdeckel

Stephen King “Alpträume” (1993), Buchdeckel

Zur Erinnerung: andere Sammlungen von Novellen oder Kurzgeschichten, die ich inzwischen “in mich hinein gewürgt” habe waren Nachtschicht (1978), Frühling, Sommer / Herbst und Winter (1982), oder Langoliers / Nachts (1990). Eine weitere Sammlung (Blut oder Im Morgengrauen / Der Gesang der Toten / Der Fornit) lese ich inzwischen erst, zu dieser deshalb später.

Ob ich es inzwischen als langsame geistige Verblödung ansehe diese Bücher zu lesen? Ja. Das beste war noch Nachtschicht aus den 1970er Jahren – offenbar wiederholt sich King einfach nur mehr, ohne daß es ihm selbst auffällt. Im Vorwort erwähnt er übrigens daß er Alpträume als zweiten Teil der Triologie Nachtschicht / Alpträume / Blut sieht. Aha.

Ursprünglich hatte die Sammlung übrigens 24 Geschichten, in der Taschenbuchausgabe sind allerdings nur 12 erschienen. Und eine davon, nämlich „Umneys letzter Fall„, ist auch eigens noch einmal im Internet veröffentlicht worden und habe ich schon geschafft hinter mich zu bringen. Gibt es Highlights in der Sammlung? Nein, eigentlich nicht, der Band erscheint eher als Anhäufung von Geschichten, die besser in der Schublade geblieben wären. Am meisten hat mich noch die Widmung interessiert, diese ist nämlich für Thomas Williams, welcher 1990 gestorben und mir völlig unbekannt ist. Vielleicht auch besser so.

Die Geschichten

  1. Dolans Cadillac:
    Die Geschichte ist vielleicht noch die Interessanteste oder jene, die mir am ehesten im Gedächtnis blieb. Dolan ist der Name eines Neureichen, der die Frau des Lehrers Robinson umbringen lässt, als diese verfängliche Dinge an die Öffentlichkeit bringen will. Robinson rächt sich nach jahrelanger Recherche und Verfolgung an Dolan schließlich, indem er mitten in der Wüste eine Grube gräbt, in die der Cadillac hineinfällt und die er im Anschluss zu buddelt. Ein wenig hat mich die gesamte Handlung an Sprengstoff erinnert, ansonsten ist die ganze Erzählung aber eher mühsam.
  2. Das Ende des ganzen Schlamassels:
    Der Schriftsteller Howard Fornoy hat einen superklugen Bruder Bobby, der es schafft die ganze Welt zu retten, indem er sie unabsichtlich untergehen lässt. Als Hilfsmittel eruiert er ein Mittel namens “Pazifin”, das im Wasser einer bestimmten US-Region vorkommt und die Menschen dort besonders friedlich macht. Er schafft es, das Mittel zu destillieren und einen Vulkanausbruch zu nutzen, um es über die ganze Welt zu verbreiten. Problem ist nur, daß alle daraufhin Alzheimer bekommen und sterben: die Menschheit ist also einfach verblödet. Die Essenz der Geschichte? Ich habe sie verpasst. Vermutlich einfach ein weiteres Menschheitsexperiment à la „Feuerkind„, die eben schlichtweg schief ging.
  3. Kinderschreck:
    Wieder einmal geht es um eine Lehrerin, nämlich Miss Sidley. Und ähnlich wie die Bibliothekarin Ardelia Lortz aus der Bibliothekspolizist von „Nachts“ ist sie schon etwas älter und nicht sonderlich nett. Nur wird dieses Mal nicht die Lehrerin zum Monster, sondern die Kinder und Miss Sidley bringt sich letztlich um. Absoluter Unsinn.
  4. Der Nachtflieger:
    Und ja, Vampire hatten wir ja schon lange nicht mehr. Um einen solchen geht es nämlich in der Geschichte und er fliegt mit einem Privatflugzeug von Flughafen zu Flughafen und saugt dort, verfolgt von einem Journalisten, ab und an Menschen aus *gähn*. Kennen wir schon von „Brennen muss Salem„, hat uns dort schon nicht gefallen. Der Quälgrad steigt.
  5. Popsy:
    Und weil Vampire so gut waren, geht es gleich mit einer weiteren Geschichte weiter. Ein kleiner Junge wird in einem Einkaufszentrum gekidnappt und verschleppt. Blöd nur, daß “Popsy” sie aufspürt und dabei handelt sich um Opa Dracula in Reingestalt. Dumm gelaufen, doof geschrieben.
  6. Es wächst einem über den Kopf:
    Wäre an dieser Stelle noch eine Vampirgeschichte gefolgt, hätte ich ernsthaft einen Wechsel überlegt. Auch ich habe eine Bücherlesegrenze an Unsinn. Aber in der Geschichte kehrt King wieder einmal nach Castle Rock zurück (laut Nachwort nun wirklich zum letzten Mal) und beschreibt die Geschichte des Newall-Hauses auf einer Anhöhe des wunderschönen Städtchens. Von einem Neureichen erbaut, hatte die ansässsige Familie nicht viel Glück, verlor ihr Kind, die Frau wurde wahnsinnig und starb und zuletzt hängte sich der Besitzer selbst auf. Zurück bleibt eigentlich nur der Schreck des Gebäudes selbst und ein paar typische Castle Rock Figuren aus anderen Romanen wie etwa „Needful Things„. Inhaltlich hat die Geschichte aber eigentlich nichts zu bieten.
  7. Klapperzähne:
    Das ist noch die zweite Geschichte, die mir in Erinnerung blieb, weil sie recht witzig ist, wenngleich auch nicht wirklich lesenswert. Im Mittelpunkt steht ein Scherzartikel, nämlich Klapperzähne, die der fahrende Verkäufer Hogan unterwegs erwirbt und die aus Stahlzähnen besteht, die klappernd in Trickfilmschuhen durch die Gegend laufen. Man könnte nun glauben, die Dinger wären das Böse in der Geschichte, sind sie aber nicht. Blöderweise nimmt Hogan nämlich einen Anhalter mit, der ihn überwältigt und mitten in einem Wüstensturm in der Pampa stehen lassen will. Aber die wackeren Zähne, welche vordem kaputt waren, beißen ihn quasi zu Tode und befreien Hogan so. Zu was kaputte Scherzartikel alles brauchbar sind.
  8. Zueignung:
    Und dann war da noch diese Geschichte, die – wie viele andere im Band – nicht wirklich flüssig bzw. logisch geschrieben sind. Im Mittelpunkt steht Martha Rosewall, eine farbige Reinigungskraft in einem Hotel in New York. Sie hat einen erfolgreichen Sohn – natürlich (!) ein Schriftsteller – über dessen Herkunft sie anlässlich seiner ersten Veröffentlichung philosophiert. Als Ergebnis entsteht eine rechte verquerte Geschichte, deren Sinn mir irgendwie verschlossen blieb. Rosewall war nämlich zwar von ihrem Tunichtgut Ehemann schwanger, aber mittels einer alten Frau mit Bruja-Zauberkräften ist das Kind irgendwie der Sohn von einem erfolgreichen Schriftsteller, der auch im Hotel wohnt. Wie das geht? Man weiß es nicht genau, aber irgendwie schwirren ein paar faulige Pilze durch die Gegend und Rosewall praktiziert etwas seltsame Dinge im Zimmer des Hotelbewohners, die auch nicht wirklich erwähnenswert sind. Die Arme-Alte-Frau Geschichte erinnert an „Dolores„, inhaltlich ist das Ganze einfach nur Humbug.
  9. Der rasende Finger:
    Auch wieder recht witzig, weil phantasiereich, aber eigentlich auch völlig unsinnig ist diese Geschichte, die von einem Buchprüfer names Howard Mitla in Queens handelt, der sich einbildet (oder auch nicht), daß ein Finger aus seinem Gully im Waschbecken wächst. Das Ding wird immer länger und er versucht es schließlich mit Abflussreiniger und Säge zu vernichten, bis die Polizei eintrifft. Und dann wartet der Leser gespannt auf die Auflösung, ob a) Mitla seine Frau im Wahnsinn getötet hat b) er einfach nur verrückt ist und sich selbst verstümmelt hat oder c) der Finger real existiert. Letztere Variante scheint nicht wirklich naheliegend, aber die Geschichte endet damit, daß nun auch der Clodeckel zu wackeln beginnt. Aha. Auch schön.
  10. Turnschuhe:
    Und mit dieser Geschichte beginnt der Rockteil der Sammlung. Im Mittelpunkt steht der Produzent John Teil, der Rockalben herausbringt. In einem Studio sieht er jeden Tag Turnschuhe in einer Toilette, die von Tag zu Tag mehr von Fliegen umgeben sind und sich nicht zu bewegen scheinen. Mit der Zeit stellt sich heraus, daß im Studio die Geschichte von einem Gespenst umgeht. Dieses Gespenst war ein Drogenlieferant, dem ein ungeliebter Käufer einen Bleistift ins Auge stieß (offenbar irrtümlich). Der Täter, so offenbart ihm das Gespenst, ist sein Chef im Studio, den Teil daraufhin in den Wind schießt (oder eigentlich mehr seinen Job). Inwieweit das damit zusammenhängt, daß sich sein Chef auch an ihn heranmachte, weiß man nicht, interessiert eigentlich auch nicht, denn gut ist die Geschichte nicht wirklich.
  11. Verdammt gute Band haben die hier:
    Dies ist die zweite Geschichte, die mit Rockmusik zu tun hat. Man stelle sich vor, man will bloß einen Ausflug im Umfeld von Portland machen und was findet man in den Wäldern? Ein himmlisches Dorf, in welchem alle Rocklegenden noch leben – Elvis Presley ist Bürgermeister und Janis Joplin Kellnerin. Klingt schön, nur kann man das Dorf nicht mehr verlassen, weil die Stars ja auch Publikum für ihre Konzerte brauchen. Ja. Genau. Klingt wie eine Idee, die man nicht weiter verfolgen sollte.
  12. Hausentbindung:
    Geschafft. Da das Taschenbuch nur 12 Geschichten enthält, ist diese Gott-sei-es-gedankt die letzte. Wieder mal wird es aus Sicht einer Frau geschrieben, die stark an „Dolores“ erinnert, nur ist es eine junge Schwangere, aber auch sie lebt auf einer Insel vor der US-Küste. Ihre Probleme sind weniger irdischer Natur, denn, daß lauter Untote die Welt bevölkern und die Macht übernehmen. Woher sie kommen? Aus dem Weltall mit irgendwelchen Würmern. Der Höhepunkt des ausnehmend schlechten Buches. Spätestens diese Geschichte ist weitgehend unverständlich, zäh und mühsam.

Im Nachwort meckert King übrigens über Leser, die das Nachwort nicht lesen wollen, da es Zusammenhänge und Ursprünge seiner Geschichten verraten würde. Ehrlicherweise fand ich das Nachwort aber weniger erhellend, denn langweilig, denn daß die Geschichte über das Versenken eines Cadillac in der Wüste etwa  bei einer Fahrt durch die Wüste im Stau entsteht ist – oh! Überraschung! Auch die anderen Erklärungen, wo und wann die miesigen Geschichten schon publiziert wurden, waren eher Schwerstarbeit des Lesens, denn Interessant.

Mein Fazit

Insgesamt eine wirklich schlechte Sammlung, die King wohl nur veröffentlichte, um seine Konto weiter zu füllen. Einige gute Ideen, kaum gute Umsetzungen. Enttäuschend.

Verbindungen

Verbindung: “Dolores
Verbindung: “Umneys letzter Fall” (Teil)
Verbindung: “Nachtschicht” (Kurzgeschichten)
Verbindung: “Der Gesang der Toten” (Paar + Auto + Maine-Wälder = Verdammt gute Band …)
Verbindung: “Der Fornit” aus Blut (Klapperzähne/Affe)
Bibliographie

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