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ScienceFiction- / Horrorbuch Rezension „Langoliers“ von Stephen King (1990), aus: Langoliers/Nachts

Langoliers bezeichnet ein von Stephen King im Jahr 1990 veröffentlichtes Buch mit zwei Novellen, „Langoliers“ und „Das geheime Fenster“. Das englische Original enthält zwei weitere Novellen, die in der Übersetzung jedoch nicht enthalten sind. In allen Novellen geht es um Zeit bzw. die Wahrnehmung von Zeit. Vor allem die erste Novelle wurde zwischenzeitlich auch verfilmt und ist von der Idee her meines Erachtens lesenswert.

Stephen King “Langoliers” (1990), aus: Langoliers/Nachts, CropTop

Stephen King “Langoliers” (1990), aus: Langoliers/Nachts, CropTop

Einleitung

Stephen King “Langoliers” (1990), aus: Langoliers/Nachts, Buchdeckel

Stephen King “Langoliers” (1990), aus: Langoliers/Nachts, Buchdeckel

Das im Deutschen unter dem Titel “Langoliers” veröffentlichte Buch enthält die beiden Novellen “Langoliers” und “Das heimliche Fenster, der heimliche Garten” (oder kurz: “Das geheime Fenster”). Das englische Original aus dem Jahr 1990 mit dem Titel “Four Past Midnight” enthält nebst diesen Novellen noch zwei weitere, nämlich “Zeitraffer” und “Der Bibliothekspolizist”, welche in der Übersetzung als eigenes Buch unter dem Titel “Nachts” auf dem Markt kamen und in dieser Ausgabe nicht enthalten sind.

Jede Novelle enthält darüber hinaus ein Vorwort von King, in welchem er die Motivation und Ideenquelle für die Kurzgeschichte anführt. Das gleiche gilt auch für das Buch an sich, wobei sich dieses – soweit ich es nachvollziehen konnte – auf das gesamte Buch (im englischen Original) bezieht.

In beiden Novellen ist dabei das kennzeichnende Thema die Zeit und wie sie verrinnt bzw. wie sich die Wahrnehmung von Zeit und Zeit an sich unterscheiden. Es ist neben “Nachtschicht” aus dem Jahr 1978 die zweite Kurzgeschichtensammlung von King, die ich lese. Der Autor selbst verweist im Vorwort vor allem auf die Kurzgeschichten “Frühling, Sommer, Herbst und Tod” aus dem Jahr 1982, welche ich aber (noch) nicht gelesen habe.

Langoliers

Worum geht es?

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Flugzeug und seine Insassen, die sich ursprünglich in einer 767 auf dem mehrstündigen Nachtflug Nr. 29 von Los Angeles nach Boston befinden, d.h. von der amerikanischen West- zur Ostküste. Etwa drei Stunden nach Flugstart erwacht etwa rund ein Dutzend der Fluggäste und findet sich allein im Flugzeug, das nur noch vom Autopiloten gesteuert wird – die anderen Passagiere und die Besatzung sind verschwunden und nur einige Metallteile, wie Plomben oder Herzschrittmacher, sind von ihnen übrig.

Wie sie später herausfinden werden, sind sie während des Schlafs durch einen Zeitriss, der von der ursprünglichen Besatzung beim Start irrtümlich als “Aurora borealis” gedeutet wurde, geflogen und haben nur durch ihren Schlaf den Flug überlebt. Da sich zufällig ein Flugkapitän, Brian Engle, an Bord befindet, kann das Flugzeug zwischengelandet werden – und zwar ausgerechnet in Bangor, Maine, dem Wohnort von King – und es beginnt eine mühsame Recherche nach den Ursachen der seltsamen Flugverwirrung.

Der Flughafen in Bangor zeigt sich den Überlebenden als verlassen und verblasst in seinen Farben und Gerüchen. Das Essen ist geschmacklos und kaum genießbar und selbst der Schall der Schuhe am Boden klingt seltsam gedämpft. Die Uhren sind stehengeblieben und Tag und Nacht beginnen sich immer schneller abzuwechseln. Nur das Flugzeug selbst scheint derzeit noch der Gegenwart anzugehören und die Zeit nicht nur zu konservieren, sondern auch Dinge, die damit in Berührung kommen, wieder in die Gegenwart zurückzuführen.

Insgesamt ist es eine vergangene Welt, in welcher die Passagiere langfristig nicht überleben können. Hinzu kommt, daß sich immer stärker seltsame, knirschende und immer schrillere Geräusche dem Flughafen nähern: wie sie später herausfinden werden, handelt es sich um sogenannte Langoliers, gesichtsähnliche und von Zähnen dominierte Monsterbälle, die über die Erde springen und dabei die Welt als solches vernichten.

Nachdem die elf Überlebenden unterschiedliche Theorien wie die Teilnahme an einem Regierungsexperiment ausgeschlossen haben, kommen sie zum Schluß, daß ihre einzige Überlebenschance darin besteht, den Flug umzukehren und wieder durch den Zeitriss zu fliegen. Wie in den meisten Romanen von King, gibt es auch dieses Mal einen Schriftsteller an Bord, der ältliche Kriminalautor Robert Jenkins mit Columbo-Touch, welcher die Situation enträtselt und an vielen Stellen zur Lösung beiträgt. So meint Bob über ihre Reise in die Vergangenheit:

“Nehmen wir einmal an, es gibt es etwas wie Zeitrisse , und wir sind durch einen hindurchgeflogen. Ich glaube wir sind in der Vergangenheit gelandet und haben die unangenehme Wahrheit der Zeitreise erfahren: Man kann nicht am 22. November 1963 in Texas Book Depository erscheinen und das Attentat auf Kennedy verhindern. … Sehen Sie sich gut um, meine Zeitreisenden. Dies ist die Vergangenheit. Sie ist leer; sie ist stumm. Es ist eine Welt – möglicherweise ein Universum – mit soviel Sinn und Bedeutung wie eine weggeworfene Farbdose. Ich glaube, wir sind ein absurd kurzes Stück in der Zeit zurückgereist, möglicherweise fünfzehn Minuten (…) jedenfalls anfänglich. Aber die Welt um uns herum geht aus den Fugen. Sinneswahrnehmungen verschwinden. Elektrizität ist bereits verschwunden. Das Wetter ist so, wie es bei unserem Sprung in die Vergangenheit war. Aber ich habe den Eindruck, während die Welt abläuft, dreht die Zeit sich irgendwie spiralförmig auf (…) und bedrängt sich selbst.”

Den definierten Antihelden bzw. Bösen der Geschichte stellt der Aktienhändler bzw. Banker Craig Toomy dar, welcher wahnsinnig ist und nicht nur die seltsame Situation an sich ignoriert, sondern in seiner Besessenheit nach Boston zu gelangen auch die anderen Passagiere bedroht bzw. schlussendlich teilweise ermordet. Er prägt auch den Begriff der Langoliers, die er aus einer Geschichte seines autoritären Vaters aus seiner Kindheit zu kennen glaubt und deren Hauptaufgabe es ist, faulen Kindern aufzulauern, die herumtrödeln und ihre Zeit vergeuden.

“Mein Vater hat gesagt, die Langoliers sind kleine Wesen, die in Schränken und Gullys leben und an anderen dunklen Orten leben. … Er sagte, in Wirklichkeit bestehen sie nur aus Haaren und Zähnen und schnellen kleinen Beinen – ihre kleinen Beine sind sehr schnell, sagte er, damit sie böse Buben und Mädchen einholen können, so sehr die auch davonlaufen. … Mein Dad hat gesagt, es gibt Tausende Langoliers. Er sagte, es müßte soviel geben, weil es Millionen böser Buben und Mädchen auf der ganzen Welt gibt, die herumwuseln. So hat er sich immer ausgedrückt. Mein Vater hat in seinem ganzen Leben kein Kind laufen gesehen. Sie wuselten immer nur. Ich glaube, dieses Wort gefiel ihm, weil es sinnlose, ziellose, nichtproduktive Arbeit beinhaltet. Man könnte gewissermaßen sagen, daß die Langoliers die personifizierte Zielstrebigkeit sind. … (Wenn) mein Vater sagte, jemand wäre böse, dann meinte er damit faul. … Er sagte, eines Nachts würde man im Bett liegen, und dann würde man sie kommen hören (…) sie knirschten und mampften sich auf einen zu (…) und selbst wenn man versuchte davonzuwuseln, erwischten sie einen.”

Seine Besessenheit nach Boston zu gelangen ist vor allem durch eine Sitzung begründet, in welcher er Stellung zu einem hochspekulativen und verlustreichen Projekt nehmen soll, das er entgegen allen Empfehlungen lanciert hat. Im Wissen, dass es den negativen Höhepunkt seiner Karriere darstellt, versucht er in seiner verquerten Logik alles, um an dieser Sitzung teilzunehmen. Immer wenn sich Toomy als Kind oder Erwachsener in einer aussichtslosen Situation befand, begann er in Erinnerung an die Langoliers schmale Streifen von Papier zu reißen – eine Aktivität, die frappierende Ähnlichkeit mit jener der Langoliers hat.

Die einzige der Passagiere, die sich für ihn wirklich zu interessieren scheint, ist das blinde Mädchen Dinah, welches über übersinnliche Kräfte verfügt und sich in ihn hineinversetzen kann. Sie nimmt seine Wahnvorstellungen zu den Langoliers Ernst und sie ist es auch, obwohl durch einen Messerstich von Toomy dem Tode nahe, es schafft, ihn zuletzt auf die Startbahn zu locken, damit die aus dem Osten am Flughafen angelangten Langoliers genügend kurz abgelenkt sind und das Flugzeug starten kann.

“Die Langoliers waren gekommen. … Zuerst waren es nur zwei Formen, eine schwarze und eine tomatenrote. … (Sie) waren Bälle, etwas Ähnliches wie Wasserbälle, aber Bälle, die wogten und sich zusammenzogen und dann wieder ausdehnten, als würde er sie durch Hitzeflimmern sehen. Sie kamen aus dem hohen abgestorbenen Gras am Ende der Startbahn 21 gerollt und ließen abgeschnittene schwarze Flächen hinter sich zurück. … Was sie hinter sich zurückließen, waren schmale Streifen völliger Schwärze. Und nun, während sie verspielt über den weißen Beton am Ende der Startbahn rollten, ließen sie immer noch schmale dunkle streifen hinter sich zurück. Diese glänzten wie Teer. … Ihr Verhalten hatte etwas bösartig Freudiges an sich. Sie kreuzten andere Bahnen und hinterließen ein krakeliges schwarzes X auf der äußeren Rollbahn. Sie sprangen hoch in die Luft, vollführten einen übermütigen Steptanz kreuz und quer und kamen dann direkt auf das Flugzeug zu. … Gesichter lauerten unter der Oberfläche der rasenden Bälle – monströse, fremde Gesichter. Sie schimmerten und zuckten und waberten wie Gesichter aus leuchtendem Sumpfgras. Die Augen waren nur rudimentäre Vertiefungen, aber die Münder waren riesig: halbkreisförmige Höhlen, die von mahlenden, verschwimmenden Zählen gesäumt. Sie fraßen beim gehen und rollten schmale Streifen der Welt auf. … Sie rissen sämtliche Tiefen der Ewigkeit auf.”

Während das im letzten Moment gestartete Flugzeug seinen Rückweg antritt, verfällt die Welt unter ihnen, bis schließlich die Erde als solches verschwunden ist und sie quasi im leeren Raum fliegen. Mit Hilfe eines künstlich erzeugten Druckabfalles können die Passagiere in den Schlaf versetzt werden und die nunmehr 8 Überlebenden schaffen es, den Zeitriss zu durchfliegen und in Los Angeles zu landen. Dort stellen sie zunächst allerdings völlig panisch fest, daß sie erneut allein und in einer menschenleeren Welt gelandet sind.

Kurz darauf beginnt diese neue Welt aber auch zu ebensolchem Leben zu erwachen und sie vermuten, daß sie etwa fünfzehn Minuten vor der Gegenwart gelandet sind. Sie erleben nun, wie umgekehrt die Zukunft zur Gegenwart wird, begleitet von einem anschwellendem Chor. Ätherisches Licht kündigt das Ereignis an, Wortteile von Menschen werden zu Sätzen, die Neonlichter gehen plötzlich wieder an und Gerüche sind wieder wahrnehmbar. Schließlich erscheinen auch Menschen, zunächst wie Geister und schließlich manifestiert. Und bevor die Überlebenden die Behörden informieren, genießen sie zunächst diese neue Welt und die Novelle endet.

Doch wie sieht so ein Zeitriss à la King eigentlich aus – das “Bermudadreieck aus Maine”? Im Endeffekt ist einfach ein seltsames, etwa 2 Meilen breites Loch mit starker Anziehungskraft und vielen Farben, das stark an den Windpalast aus dem dunklen Turm erinnert, nicht nur zuletzt deshalb, da er die Geburt der neuen Welt häufig mit einer Rose vergleicht. Der einzige, der den Riss allerdings letztlich in seiner ganzen Fülle sehen kann, ist der Soldat Nick, welcher sich für die anderen opfert, indem er im letzten Moment den Kabindendruck wieder erhöht, damit sie aufwachen können.

“Der Zeitriß lag etwa neunzig Meilen vor ihnen, kaum sieben oder acht Grad abseits des Bugs der 767. … Es war ein rautenförmiges Loch in der Wirklichkeit, aber ganz und gar keine schwarze Leere, wie die, die unter ihnen lag. Sie oszillierte in trübem rosapurpurfarbenem Licht wie die Aurora borealis. … Ein breites weißes Band aus Dampf strömte entweder in die Form oder aus der Form, die am Himmel hing. Es sah wie ein seltsamer, ätherischer Highway aus. … (Sie konnten) ein Geräusch hören, das sich zum Dröhnen der Triebwerke gesellte – ein tiefes Pulsieren, wie ein riesiger Dieselmotor im Leerlauf. Als sie sich dem Fluß aus Dampf näherten – er floß in das Loch … und nicht aus diesem heraus – konnte(n sie) bunte Lichtblitze erkennen, die darin reisten: grün, blau, violett, rot, rosa. … Es war, als würde diese ganze Welt – oder was noch davon übrig ist – durch dieses Loch entweichen. … Ihm schien jetzt, als wären die Farben, welche nun aus dem Riß leuchteten, die Antithese von allem, was sie in den vergangenen paar Stunden erlebt hatten; er sah in einen Schmelztiegel neuen Lebens und neuer Bewegung. Dies ist der Ort, wo das Leben – möglicherweise alles Leben – seinen Anfang hat. Der Ort, wo das Leben jede Sekunde eines jeden Tages neu erschaffen wird; die Wiege der Schöpfung und der Ursprung der Zeit. Jenseits dieses Punkts ist der Langoliers der Zutritt verboten. … Plötzlich explodierte direkt vor der Schnauze des Flugzeugs eine gewaltige Lichtnova wie ein himmlisches Feuerwerk; darin sah (er) Farben, die sich kein Mensch je vorstellen konnte. Sie füllten nicht nur den Zeitriß aus; sie füllten seinen Verstand aus, seine Nerven, seine Muskeln, seine Knochen wie ein gigantischer, sengender Feuerblitz. … Einen Sekundenbruchteil später fielen die Plomben von Nicks Zähnen klimpernd auf den Cockpitboden. … Das war alles. Nick Hopewell hatte aufgehört zu existieren.”

Formaler Aufbau

Formal ist die Novelle in Kapitel unterteilt und hat bei jedem Kapitel zu Beginn einige einzelne Sätze stehen, in welchen die folgende Handlung bzw. Stimmung kurz umrissen wird. Ansonsten hat sich King nebst der üblichen Rockzitate, wenig formale Eigenheiten erlaubt. Inhaltlich ist die Geschichte recht kreativ (wenngleich auch stark an den Geschichten rund um das Bermudadreieck orientiert), obwohl ich insgesamt denke, daß seine Theorie nicht wirklich schlüssig ist.

Denn wenn jede Sekunde eine neue Welt entsteht und vergeht – oder entstehen und vergehen würde – stellt sich die Frage wozu und wie das Prinzip der Energie als Ganzes sich in dieses Bild einfügt. Denn was passiert mit der Welt, die die Langoliers vernichtet haben bzw. mit der Energie, die sie mit dieser Vernichtung entstehen ließen? Verpufft sie? Wohin verschwinden die nicht-schlafenden Menschen beim Durchqueren des Zeitrisses? Und wozu sollte das gut sein? Man weiß es nicht. Die Idee von einer linearen Zeit und der damit verbundenen Unmöglichkeit von Zeitreisen ist zwar reizvoll, folgt man allerdings herkömmlichen Ansätzen und Theorien der Physik, so ist zumindest aber eine Reise in die Zukunft zumindest theoretisch möglich.

Einige formale Ungereihmtheiten fallen in dieser Grundidee dann beinahe schon gar nicht mehr auf, zum Beispiel der Umstand, daß das Flugzeug bei der Landung in L.A. in ein Gebäude rast, beim Eintreten der Gegenwart, dies aber nichts auszumachen scheint bzw. das Flugzeug im Gegensatz zu den Überlebenden verschwunden zu sein scheint. Unklar bleibt auch, wieso es einen Unterschied macht, ob Menschen während der Zeitriß-Durchquerung schlafen oder nicht. Dazu ist King letztendlich zu sehr von den Horrorfiguren selbst und dem Kommen und Gehen der Zeit an sich beschäftigt.

“(Jetzt wissen wir) was mit dem Heute passiert, wenn es zum Gestern wird, was mit der Gegenwart wird, wenn sie zur Vergangenheit wird. Sie wartet tot und verlassen. Sie wartet auf sie. Sie wartet auf die Zeithüter der Ewigkeit, die immer hinterherlaufen und das ganze Schlamassel auf die wirksamste Weise beseitigen (…) indem sie es aufessen.”

Mein Fazit

Unabhängig von diesen kleinen Logikverwirrungen und hat mir persönlich vor allem eine kleine Erzählung  gefallen, die am Anfang über die Figur von Toomy erzählt wird. Sie handelt von einer Fischrasse, die notwendigerweise Druck benötigt um zu existieren. Während mir die Geschichte rund um die Langoliers etwas zu unlogisch und horror-verklärt erscheint, ist es zumindest diese kleine Erzählung, die mir persönlich gefallen hat.

“Tief in den Gräben auf dem Grund des Pazifiks und des Indischen Ozeans existieren Fische, die leben und sterben, ohne auch nur einmal die Sonne zu ahnen. Diese legendären Kreaturen durchkreuzen die Tiefe wie geisterhafte Ballons, und ihre eigene Strahlung beleuchtet sie von innen. Sie sehen zwar zerbrechlich aus, sind aber in Wahrheit Wunderwerke biologischer Konstruktionen und können Drücken widerstehen, die einen Menschen binnen Sekundenbruchteilen platt wie eine Fensterscheibe quetschen würden. Ihre große Stärke ist aber auch ihre große Schwäche. Sie sind Gefangene ihrer Körper und für alle Zeiten in ihrem dunklen Tiefen eingesperrt. Wenn sie gefangen und nach oben befördert werden, zur Sonne, explodieren sie einfach. Nicht der Druck bringt sie um, sondern sein Fehlen.”

Verbindungen

Verbindung: “Der dunkle Turm (Zyklus)
Verbindung: “Es” (böse Wesen)
Verbindung: “Nachts” (4 Novellen)
Verbindung: “Jahreszeiten” (4 Novellen)
Bibliographie

PS: So sahen die Wesen übrigens in der Verfilmung aus – zwar habe ich den Film nicht gesehen, aber ich fürchte, daß das Element Horror und Zähne weit über das dominiert, was die Idee seitens Zeit hergeben könnte.

Langoliers im Film von Tom Holland (1985)

Langoliers im Film von Tom Holland (1985)

Das heimliche Fenster, der heimliche Garten

Worum geht es?

Die zweite, wesentlich kürzere Geschichte handelt nur indirekt von Zeit und eher von der zyklischen Wiederholung King’s seiner selbst. Genauer nimmt er das Schreiben als Thema wieder auf und versucht die Sicht des Schriftstellers (aus “Stark – The Dark Half“) und jene des Lesers (aus “Sie“) nun noch einmal breit zu treten in einer neuen Version, indem er Elemente aus den beiden Romanen neu zusammen setzt.

Ein Versuch, der meiner Meinung nach nur bedingt gelungen ist, vielleicht aber auch vor allem deshalb, weil ich das Thema schon nicht mehr hören kann. Es ist der Versuch, wie King selbst im Vorwort sagt, “eine altbekannte Aussicht aus einem völlig neuen Blickwinkel” zu betrachten “und zu berichten, was er dort sieht”. Nun ja, wie gesagt, ich weiß nicht, was King hoffte zu sehen, mir war es in jedem Fall zu wenig. Aber egal. Zum Inhalt.

Im Mittelpunkt steht (wieder einmal) ein Schriftsteller, nämlich Morton Rainey. Er versucht gerade seine Scheidung zu verarbeiten inklusive dem Umstand, daß er seine (Ex-) Frau im Vorfeld mit einem ihm nicht besonders sympathischen Immobilienmakler im Bett erwischt hat und gleichzeitig seine Schreibblockade zu überwinden, als eines Tages plötzlich ein ihm unbekannter Mann auf seiner Schwelle steht und behauptet, er habe eine seiner Geschichten gestohlen. Diese Geschichte heißt – wie zu erwarten war – bei Rainey “Zeit zu säen” und beim Plagiatsbedrohten John Shooter “Das heimliche Fenster, der heimliche Garten”. Natürlich nimmt das Ganze, wie auch bei Stark oder Misery einen bedrohlichen Verlauf, Shooter tötet Raineys Katze, später seine Hausgehilfen und parallel dazu geht auch noch das Haus, in welchem Rainey mit seiner Ex-Frau wohnte in Flammen auf.

Die Lösung ist ebenso vorhersehbar: Rainey geht nicht zur Polizei, sondern versucht das Ganze selbst zu bewältigen und spätestens als ein Dorfbewohner (welcher später sterben wird) vorgibt, bei einem Treffen zwischen Shooter und Rainey nur letzteren gesehen zu haben, ahnt der Leser schon, daß der werte Schriftsteller wohl unter leicht psychisch anormalen Zügen leidet und sich seinen Plagiatsvorwerfenden nur einbildet. Dem ist auch so, wie spätestens mit dem Nachwort bekannt wird: Rainey litt unter Schizophrenie, hat das Haus selbst angezündet, die Personen auch selbst ermordet und einen John Shooter gab es nie. Allerdings hat Rainey, wie sich seine Frau erinnert, wirklich einmal eine seiner ersten Arbeiten von einem Studienkollegen abgekupfert und Shooter genau in jenem Moment erfunden, als er merkte, daß sie ihn betrog. Der Vorname – John – stammt vom Studienkollegen John Kintner, den er betrog und der Nachname – Shooter – vom Wohnort des Liebhabers Shooter’s Knob in Tennessee.

Das ist in etwa auch schon die Geschichte, die damit endet, dass Rainey – als Shooter – auf seine Ex-Frau losgeht und sie versucht zu ermorden, im letzten Moment aber vom Betreuer der Versicherungsgesellschaft gerettet wird und Rainey=Shooter tötet. In jedem Fall konnte es King nicht lassen, doch noch ein wenig eine Geistergeschichte daraus zu machen, indem sich einer der später Getöteten, letztlich gar nicht mehr sicher war, ob er nicht doch zwei Personen gesehen hatte, allerdings eine davon beinahe durchscheinend. Im Epilog lassen die Beteiligten alles noch einmal Revue passieren und gehen anschließend ihrer Wege. In großer philosophischer Einsicht meint Rainey’s Ex-Frau schließlich noch:

“Ich glaube, es gab einen John Shooter. … Ich glaube, er war Morts größte Schöpfung – eine so lebhaft gezeichnete Figur, daß sie tatsächlich lebendig wurde.”

Mein Fazit

Ich weiß nicht für wen und wo die Figur lebendig wurde, aber in meinem Geiste nicht. Ich habe für die – relativ kurze – Geschichte – relativ – lang gebraucht, weil der Versuch King’s, die innere Zerrissenheit der Figur auch durch relativ verworrene Beschreibungen darzustellen, mich auch schlichtweg etwas verwirrt hat. Ganz unabhängig von der ewig gleichen Story, die ich in dieser Variante jetzt zum dritten Mal gelesen habe. Hoffentlich dieses Mal zum letzten Mal. Aber immerhin waren die Langoliers ganz ok zum Lesen, was ich von dieser Geschichte nicht behaupten kann.

Verbindungen

Verbindung: “Stark – The Dark Half” (Sicht Schriftsteller & Schreiben)
Verbindung: “Sie” (Sicht Leser & Schreiben)
Verbindung: “Alpträume” (Schriftsteller zerstört Figur)
Verbindung: “Nachts” (4 Novellen)
Verbindung: “Jahreszeiten” (4 Novellen)
Bibliographie

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