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Horrorbuch Rezension “Christine” von Stephen King (1983)

Ich hatte ja schon beim fünf Jahre früher publizierten “Nachtschicht” von Stephen King gemutmaßt, dass das Buch ein Blödsinn ist. Diese Annahme ist eingetreten. Irgendwie ist es eine nicht besonders lesenswerte Kombination von “Carrie” (armer Außenseiter wird zum Halb-Terroristen mit Horroraktionen) und dem im gleichen Jahr veröffentlichten “Friedhof der Kuscheltiere” (tote Wesen erwachen wieder zum Leben), in diesem Fall wird der Underdog aber von Besessenheit (und zwar zu einem Auto) gequält.

Stephen King “Christine” (1983), CropTop

Stephen King “Christine” (1983), CropTop

Worum geht es?

Stephen King “Christine” (1983), Buchdeckel

Stephen King “Christine” (1983), Buchdeckel

Insgesamt ist das Buch ein wenig wie ein schlechter Film, an vielen Stellen relativ vorhersehbar und von der Geschichte her auch mäßig interessant (vor allem wenn man andere King-Bücher kennt). Spätestens ab der Hälfte musste ich mich deshalb öfters selbst dazu überreden weiter zu lesen, auch wenn eine gewisse Grundspannung vorhanden ist (die aber durch die vorhersehbaren Wendungen nie wirklich überraschend ansteigt). Immerhin hat King in 1983 drei Bücher veröffentlicht, dieses hätte er in der Schublade lassen können.

Arnie Cunningham ist ein pickeliger und wenig auffallender Außenseiter in der Libertyville High School, der nur durch die Unterstützung seines besten Freundes Dennis von anderen nicht endlos gequält wird. Die Situation ändert sich grundlegend, als Arnie eines Tages ein schrottreifes Auto am Straßenrand zum Verkauf sieht, einen rot-weißen 1958 Plymouth Fury, den er unbedingt haben will und dem wenig gutmütigen und von Haß auf die ganze Menschheit geprägten Besitzer Roland LeBay auch schon bald zu einem überhöhten Preis abkauft. Mit dem Auto beginnt eine Dreiecksgeschichte zwischen Arnie, Leigh Cabot (eine überraschend gut aussehende Mitschülerin, die zu seiner Freundin wird) und Christine – dem neuen Fahruntersatz, der schon bald zum Leben erwacht.

Genauer gesagt ist es der ehemalige Besitzer, LeBay, der von den Untoten wieder aufersteht und das Gefährt nachts durch die Gegend kutschiert und damit Menschen tötet. Nur in dieser Zeit verläßt der Geist von LeBay auch den besessenen Arnie, der sich seiner nicht erwehren kann und zunehmend gegenüber LeBay in seinem eigenen Körper verdrängt wird. Als kleines Gimmick läuft der Meilenzähler bei Christine rückwärts und dreht damit auch gleichsam die Zeit zurück und behebt Beschädigungen, sodass die Taten des Fahrzeuges mangels Zeugen und Spuren am Wagen nicht nachweisbar sind:

“Am Armaturenbrett lief der Meilenzähler immer noch rückwärts, als würde Christine gegen die Zeit fahren und verließe nicht nur den Tatort eines Fahrerflucht-Unfalls, sondern auch die Zeit, in der er stattgefunden hatte. Der Auspufftopf kam zuerst dran. Plötzlich hörte das laute knatternde Geräusch auf. Die fächerartigen Blutspuren auf der Motorhaube liefen auf den Kühler zu, entgegen dem Fahrwind, – es war, als würde ein Film rückwärts laufen. … Es war ein Wunder gewesen …(, weil) Christines Reifen auf wundersame Weise von selbst heilten, die zerschlitzen Reifendecken sich wieder schlössen und mit Luft füllten. Die zerschmetterten Scheiben fügten sich aus dem Nichts wieder zusammen, versiegelten die Sprünge und Löcher in den Scheiben und Fenstern mit leisen, kratzenden, kristallinen Geräuschen. Die Dellen beulten sich von selbst aus.”

Das ist eigentlich schon im Wesentlichen die Geschichte. Natürlich fand im Wagen ein fragwürdiger Unfall statt, sogar mehrere – LeBays Tochter erstickte und seine Frau brachte sich um, ohne dass LeBay großartig eingriff, derart gebunden ist er an das Auto. Diese beginnen sich später bei Arnie zu wiederholen, nebst einer Vielzahl an Menschen, die Arnie etwas “Böses” tun und deshalb nebenbei von Christine überfahren werden, droht außerdem Leigh beinahe zu ersticken – sie wird aber zufällig von einem Autostopper gerettet und zwingt Arnie, sich zwischen seinem eifersüchtigen Auto und ihr zu entscheiden.

Da er sich von Christine nicht trennen kann, verläßt sie ihn und Leigh verliebt sich wiederum kurz darauf in seinen besten Freund Dennis. Abschließend findet das Showdown in einer Garage statt, in welcher Dennis mit einem rosa Tanklaster auf Christine losdrischt, bis nichts mehr von ihr übrig ist. LeBays Geist versucht noch einmal den auf der Autobahn unterwegs zur Uni fahrenden Arnie zu besetzen, der Kampf endet aber in einem tödlichen Unfall, bei dem Arnie und seine Mutter sterben (Arnies Vater wurde währenddessen schon von Christine getötet) und Dennis bzw. Leigh überleben das Ganze mittel bis schwer verletzt. Natürlich wird ganz zum Schluß noch einmal die Illusion erweckt, die Voodoo-Zaubertricks gingen weiter, indem die inzwischen von der Schrottpresse zu einem Quadratwürfel gepresste Christine noch einmal “losbeißt” und einige Jahre später ein seltsam “bösartiges” Auto ähnliche Unfälle verursacht.

Mein Fazit

Meiner Meinung nach King zu dem Zeitpunkt einfach zu viele schlechte Horrorfilme gesehen. Denn genauso hat er die Dramaturgie aufgebaut und genauso schlecht ist sie letztlich auch. Die Figurenanordnung erinnert stark an “Carrie” und Louis aus “Friedhof der Kuscheltiere“:

  • Ein Außenseiter (Carrie/Arnie) lebt vor sich hin und wird aus irgendeinem Grund zum Horrormutanten (übersinnliche Fähigkeiten bei Carrie bzw. Erscheinungen bei Arnie, Zombies bei Louis),
  • ein ihm gut gesinnter Freund steht ihm zur Seite, kann das Schlimmste aber nur schwer verhindern (älterer Nachbar Jud bei Louis, Sue bei Carrie und Schulfreund Dennis bei Arnie),
  • teilweise macht er es sogar noch schlimmer (Jud schläft ein im kritischen Moment, Sue überredet ihren Freund Carrie auf den Ball zu begleiten und Dennis lässt sich mit der Freundin von Arnie ein bzw. liegt wochenlang im Krankenhaus),
  • irgendwo gibt es mehr oder minder eingeweihte Freundinnen bzw. Ehefrauen (Ehefrau Rachel beim Friedhof, Freundin Leigh bei Arnie), wobei die Familie an sich meist wenig helfen kann (z.B. Eltern bei Arnie) und sich teilweise in den Büchern ähneln (z.B. heißt die Schwester von Dennis gleich wie die Tochter von Louis)
  • und die Hauptfiguren haben meist wenig Überlebenschancen (Carrie und Arnie sterben, Louis steht kurz davor oder wird sein Leben voraussichtlich im Gefängnis verbringen).

Darüber hinaus ist jede Geschichte durch ein relativ klassisches Thema aus dem übersinnlichen Bereich geprägt (als ob King hier eine Vorlage abarbeiten würde) und spielt natürlich immer in einer Kleinstadt, nicht selten in Maine. Auch die Buchaufbauten ähneln sich: Grundsätzlich wirkt das ganze Szenario im ersten Buchdrittel immer völlig normal, plötzlich fangen seltsame Dinge an zu passieren und irgendwo kurz vor der Hälfte kommt dann das “Thema”. Die zweite Hälfte ist im Anschluß von Explosionen, Morden – kurzum: viel Brimborium geprägt, bis das ganze dann im großen Schlußtakt aufgelöst wird.

So sah das Elvis-Auto in jedem Fall in etwa im Original bzw. in der Carpenter-Verfilmung aus, die aufgrund der hohen Popularität von King sogar vor der Veröffentlichung des Buches stattfand:

Plymouth Fury, vergleichbar jenem aus Stephen King “Christine” (1983), (c) Wikipedia

Plymouth Fury, vergleichbar jenem aus Stephen King “Christine” (1983), (c) Wikipedia

Verbindungen

Verbindung: “Nachtschicht” (Kurzgeschichten)
Verbindung: “Carrie
Verbindung: “Friedhof der Kuscheltiere
Verbindung: “Sprengstoff” (Bachmann)
Verbindung: “Der Buick” (böses Auto)
Bibliographie

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